IM JAHR 2011 BEWILLIGTES PROJEKT

Der Mittelbau an Fachhochschulen

Redaktion

Für den Inhalt der Angaben zeichnet die Projektleitung verantwortlich.


Kooperation

Dieses von der Gebert Rüf Stiftung geförderte Projekt wird von folgenden weiteren Projektpartnern mitgetragen: Hochschule für Wirtschaft FHNW; Pädagogische Hochschule FHNW


Projektdaten

Projekt-Nr.: GRS-014/11
Förderbeitrag: CHF 50'000
Bewilligung: 11.04.2011
Dauer: 06.2011 - 04.2013


Projektleitung

Prof. Dr. Martina Zölch, Institutsleitung, Hochschule für Wirtschaft, FHNW, PMO - Institut für Personalmanagement und Organisation, Riggenbachstrasse 16, 4600 Olten (Schweiz), martina.notexisting@nodomain.comzoelch@fhnw.notexisting@nodomain.comch


Abstract

Der Mittelbau ist für Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen eine erfolgskritische Personalressource, um den erweiterten Leistungsauftrag zu erfüllen und insbesondere die Forschung weiter auszubauen. Bereits 2004 wurde deshalb eine repräsentative Online-Befragung zur Situation der Assistierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden an Schweizer Fachhochschulen durchgeführt (Zölch, Greiwe & Semling, 2005). Seither sind die Vollzeitstellenäquivalente im Mittelbau an den Fachhochschulen der Schweiz um 69% gestiegen. Gleichzeitig kann davon ausgegangen werden, dass sich in dieser Zeit auch die Tätigkeitsfelder der Mittelbauangestellten an den Fachhochschulen ausgeweitet haben.

Im Herbst 2011 wurde deshalb erneut eine repräsentative Online-Befragung Assistierender und wissenschaftlicher Mitarbeitender an allen Fachhochschulen in der Schweiz durch-geführt, welche folgende Themen beinhaltete: Rahmenbedingungen der Anstellung, Rekrutierung, Beschäftigungssituation, Tätigkeitsprofile, Entwicklung und Qualifizierung, Berufs- und Karriereaussichten sowie Handlungsfelder. Ausgewählte Ergebnisse konnten so mit denen der Repräsentativbefragung aus dem Jahr 2004 verglichen werden.

Ergänzend wurden dieses Mal auch Angestellte des Mittelbaus an Pädagogischen Hoch-schulen befragt, die nicht in eine Fachhochschule integriert sind. Darüber hinaus wurden Personalstellen ausgewählter Hochschulen zu Differenzierungen des Mittelbaus, zur Personalpolitik sowie zu Förderkonzepten befragt und diese Ergebnisse mittels Kennzahlen- und Dokumentenanalysen ergänzt.

Die vorliegende Studie gibt Auskunft über die aktuelle Situation des Mittelbaus in Bezug auf Qualifikationen, Funktionen, Anforderungsprofile und Anstellungsbedingungen, auf vorhandene Laufbahnoptionen und -perspektiven sowie Fördermöglichkeiten. Rolle und Einbettung des Mittelbaus in den aktuellen Strukturen von FH und PH werden thematisiert und es werden auf Basis der Studienergebnisse Handlungsfelder aufgezeigt.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Die äusserst dynamische Entwicklung der letzten Jahre an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen hat zum Ausbau und einer weiteren Differenzierung des Mittelbaus geführt, jedoch nicht zu einer Schärfung der Profile. Die Personalpolitik an vielen Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen konnte mit diesen Entwicklungen nicht immer Schritt halten. Um die Ressource Mittelbau adäquat einsetzen und fördern zu können, war eine erneute Standortbestimmung in Bezug auf Anstellungsbedingungen, Qualifikationen, Anforderungsprofile und Laufbahnoptionen erforderlich. Da auf Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung aus dem Jahr 2004 zurückgegriffen werden kann, können Entwicklungen des Mittelbaus an Fachhochschulen über einen längeren Zeitraum hinweg verglichen werden.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie liefern wichtige Impulse für Hochschulleitungen und Personalmanagement sowie für Bildungspolitik und Bildungsverwaltung. Dies trägt zur Stärkung des Hochschulstandorts Schweiz sowie zur Positionierung der FH und PH als attraktive Arbeitgeberinnen bei. Zudem werden Zusammenarbeit und Wissenstransfer zwischen den Hochschulen und der Bildungspolitik gefördert.

Stand/Resultate

Bei den befragten Mittelbaumitarbeitenden (insgesamt haben 1558 Personen aus den sieben Fachhochschulen sowie aus acht eigenständigen Pädagogischen Hochschulen teilgenommen) sind 37% als Assistierende, 55% als wissenschaftliche Mitarbeitende sowie 8% in einer anderen Funktion im Mittelbau tätig. Der überwiegende Teil der Mittelbaumitarbeitenden wurde bei der Erstanstellung befristet angestellt. Zeitlich befristete Anstellungen haben gegenüber 2004 zugenommen und hier insbesondere Erstverträge von max. einem Jahr. Zwei Drittel der Befragten haben schon eine oder mehrere Vertragsverlängerungen erhalten. Forschung und Entwicklung ist nach wie vor das zentrale Arbeitsfeld der Mittelbaumitarbeitenden. Hier haben sich gegenüber 2004 kaum Veränderungen ergeben. Jedoch gehören auch Tätigkeiten in der Aus- und Weiterbildung bei 70% der Befragten zum Tätigkeitsprofil. Gut 10% geben an, eine Stabsfunktion inne zu haben, wobei Frauen hier deutlich überwiegen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine grosse Heterogenität in den Tätigkeitsprofilen der Mittelbaumitarbeitenden. Dies dürfte einerseits Ausdruck der zum Teil nicht sehr prägnanten Konzipierung der Personalkategorie des Mittelbaus an verschiedenen Hochschulen sein. Andererseits spiegelt sie die Aufgabenvielfalt wider, die die Tätigkeit an einer Fachhochschule resp. Pädagogischen Hochschule zwischen Praxisorientierung, Dienstleistungsunternehmen und Anspruch auf Forschungsexzellenz bietet. Dabei zeigen sich bei den Tätigkeitsprofilen des Mittelbaus sowohl aktuell wie bereits 2004 sehr grosse Fachbereichsunterschiede. Eine Angleichung der unterschiedlichen Fachbereiche scheint kaum stattgefunden zu haben. Die Analyse von Personalreglementen der Hochschulen zeigt zudem eine starke strukturelle Differenzierung der Personalkategorie des Mittelbaus sowie überlappende Arbeitsfelder und Funktions- resp. Lohnstufen mit denjenigen von Dozierenden und administrativen Mitarbeitenden.

In Bezug auf aktive Tagungs- und Kongressbeiträge ist eine deutliche Zunahme festzustellen. Auch die Publikationsaktivitäten haben sich im Vergleich zu den Ergebnissen der Studie von 2004 intensiviert. Allerdings sind insgesamt nur rund ein Drittel der Mittelbauangestellten in diesem für die Nachwuchsförderung wichtigen Gebiet tätig. Auch die Qualifizierungsaktivitäten – sei es in Form einer Weiterbildung oder einer Qualifikationsarbeit – haben sich insgesamt verstärkt. Knapp die Hälfte der Befragten nimmt an einer Weiterbildung teil oder schreibt an einer Qualifikationsarbeit. Die Unterstützung der Qualifizierungsaktivitäten durch die Hochschule wird von den Befragten vergleichsweise kritisch beurteilt. Zudem zeigt sich, dass für Mittelbaumitarbeitende in den Personalverordnungen oft kein verbindlicher Anspruch auf Weiterbildungszeit vorgesehen ist, wie dies bei den Dozierenden zumeist der Fall ist. Weiterbildungszeit für den Mittelbau muss oft dezentral auf Ebene der Teilschulen, Institute oder mit den Vorgesetzten verhandelt werden.

Die Mittelbaumitarbeitenden schätzen ihre berufliche Zukunft grundsätzlich positiv ein. Im Vergleich zur Studie von 2004 hat ein deutlich grösserer Anteil eine klare Vorstellung davon, wo sie beruflich in fünf Jahren stehen. Auch wenn es fachbereichsbezogene Unterschiede gibt, kann sich fast die Hälfte der Mittelbaumitarbeitenden eine berufliche Laufbahn an ihrer Hochschule vorstellen. Die Attraktivität der Hochschulen als Arbeitgeber dürfte demzufolge gestiegen sein. Gleichzeitig erleben die Mittelbaumitarbeitenden die Aufstiegsmöglichkeiten als defizitär bzw. erwarten hier mehr, als die Hochschulen bieten. In den Ergebnissen der Studie kommt hier das Spannungsfeld zwischen (befristeten) Nachwuchs- oder Projektstellen und Mittelbaustellen als Strukturstellen mit bestimmten Aufgaben zum Ausdruck.

Herausforderungen, die vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Studie anzugehen sind, beziehen sich u.a. auf eine sinnvolle Rahmensteuerung angesichts der grossen Heterogenität der Fachbereiche sowie der unterschiedlichen Situationen der Hochschulen, auf eine deutliche Unterscheidung zwischen Nachwuchsstellen und Strukturstellen und daraus jeweils abzuleitenden Laufbahnen und Personalentwicklungsprogrammen einschliesslich der Promotionsförderung, auf die berufsbiografische Gestaltung des doppelten Kompetenzerwerbs (Wissenschaft und Praxis) und auf die Qualifizierung für Wissenschaftsmanagementaufgaben. Weiter müssen die strukturellen Auswirkungen bearbeitet werden, welche sich aus dem an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen geforderten Selbstfinanzierungsgrad in der Forschung vor allem im Bereich der Anstellungspolitik ergeben.

Mit den Ergebnissen der vorliegenden Studie wurde die bildungs- und hochschulpolitische Diskussion um den Mittelbau an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen wieder aufgenommen. Die am 29. August 2012 durchgeführte Mittelbautagung, die mit 140 Teilnehmenden aus Bildungspolitik, Hochschulen und Verbänden auf grosses Interesse traf, war hierfür ein wichtiger Promoter. Die Nachfrage nach den Ergebnissen der Studie war und ist gross (BBT, KFH, COHEP, Personalverbände, die einzelnen Hochschulen etc.).

Publikationen

Böckelmann, C., Erne, C. Kölliker, A. & Zölch M. (Hrsg.) (2013, in Druck). Der Mittelbau an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen der Schweiz. Eine Situationsanalyse. Mering: Rainer Hampp.

Medienecho

Der Mittelbau an Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen, ALPHA.CH, 16.7.2012,
Seiltanz zwischen Theorie und Praxis, NZZ executive, 4.2.2012

Links

http://www.fhnw.ch/ppt/content/prj/T999-0088
http://www.fhnw.ch/wirtschaft/pmo
http://www.fhnw.ch/ph

Am Projekt beteiligte Personen

Prof. Dr. Martina Zölch, Projektleiterin martina.zoelch@fhnw.ch
Dr. Christine Böckelmann, Pädagogische Hochschule Karlsruhe christine.boeckelmann@ph-karlsruhe.de
lic. phil. Cordula Erne, Pädagogische Hochschule FHNW cordula.erne@fhnw.ch
Alexandra Kölliker, Betriebsökonomin FH, Hochschule für Wirtschaft FHNW alexandra.koelliker@fhnw.ch

Letzte Aktualisierung dieser Projektdarstellung

11.07.2013