SCIENTAINMENT

Mit Wissenschaft zu den Leuten

Nächster Eingabetermin:  01.12.2018

Unter dem programmatischen Titel «Scientainment» stellt die Gebert Rüf Stiftung seit 2013 Mittel zur Förderung innovativer Modellprojekte niederschwelliger Wissenschaftskommunikation bereit. Damit will sie zur Diskussion über Formen zeitgemässer Wissenschaftskommunikation anregen und neue Formate fördern.

Ziel: Wissenschaftskommunikation jenseits von PR fördern

In der Schweiz wird Kommunikation von Wissenschaft in der Regel als wissenschafts- und bildungskonforme Übermittlungs- und Übersetzungsarbeit geleistet. Dazu stehen u. a. eine ganze Reihe von institutionengebundenen Periodika zur Verfügung. Reich ist auch die Palette von Veranstaltungen unterschiedlichster Formate, die von Hochschulen und spezialisierten Institutionen angeboten werden. Die mit Ressourcen gut dotierte Wissenschaftskommunikation ist seit einiger Zeit bestrebt, den akademischen Elfenbeinturm zu öffnen und einen Dialog zwischen Forschenden und Bevölkerung zu vermitteln. Sie verwendet dazu durchaus populäre, attraktive Formen, transportiert aber kaum Emotionen und folgt einer selbstlegitimatorischen PR-Logik. Diese hochschwellige Wissenschaftskommunikation spricht erfolgreich Menschen an, die an Bildung und Wissenschaft interessiert sind. Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung aber erreicht sie nicht.

Die Menschen erreichen

Für die Zukunft der Schweiz ist die Tatsache, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung mit den etablierten Formen der gängigen Wissenschaftskommunikation nicht erreicht werden, in zweierlei Hinsicht kritisch: Zum einen ist es die zentrale Aufgabe einer Wissensgesellschaft, möglichst viele Menschen ausbildungsmässig auf allen Stufen der Wertschöpfungskette in die Zukunft mitzunehmen. Zum anderen muss der BFI-Bereich als prioritärer Polit- und Gesellschaftsbereich längerfristig mehrheitsfähig bleiben, damit die künftig zu leistenden öffentlichen Budgets für Bildung, Forschung und Innovation gegenüber anderen Budgets durchgesetzt werden können.

Scientainment als Chiffre

Scientainment ist ein niederschwelliger Ansatz des Kommunizierens über Bildung, Forschung und Innovation, bei dem Unterhaltung und Wissensvermittlung klug verbunden werden: Neben dem Sachlich-Inhaltlichen wird dabei auf die anspruchgruppengerechte Aufbereitung und auf die an positive Affekte appellierende Form Wert gelegt. Scientainment will der Wissenschaft den persönlichen Bezug, das Staunen, den Zauber, das Rätselhafte, die Überraschung, die Spannung, den Spass und die Hoffnung zurückgeben. Auf diese Weise ist Scientainment in der Lage, Menschen zu erreichen, die keinen direkten oder indirekten Bezug zum BFI-Bereich haben.

Die Gebert Rüf Stiftung finanziert Projekte, die entweder grundlegend neu sind oder die neu überdacht und auf das Ziel des Scientainment ausgerichtet werden. Mit diesem auf Dauer angelegten Finanzierungsangebot beabsichtigt die Gebert Rüf Stiftung, Wissenschaftskommunikatoren, Verbände, Organisationen und Institutionen aus Bildung, Wissenschaft sowie Kultur dazu anzustiften, sich mit der Notwendigkeit zur niederschwelligen Wissenschaftskommunikation auseinandersetzen und gemeinsam mit Vertretern wissenschaftsferner Anspruchsgruppen neue Formen des Wissenschaftsdialogs zu entwickeln.

Modellprojekt Wissen in 20Minuten

Von November 2009 bis Februar 2017 erschien in der Gratiszeitung 20Minuten jeden Freitag eine Doppelseite «Wissen», die von der Gebert Rüf Stiftung initiiert und getragen sowie in der Pilotphase von der Stiftung Mercator Schweiz mitfinanziert wurde. Die redaktionelle Verantwortung lag bei einer unabhängigen Agentur spezialisierter Wissenschaftsjournalisten. Seither wird die Wissensseite von der zuständigen Redaktion von 20Minuten produziert. 

Förderkriterien

Das Projekt ist:

  • innovativ und unterhaltungsgetrieben;
  • vermittelt und diskutiert Wissen der aktuellen wissenschaftlichen Forschung;
  • ist auf Zielgruppen in der Schweiz ausgerichtet, die nicht wissenschaftsaffin sind;
  • eignet sich, eine erhebliche Wirkung im Sinne einer Sensibilisierung für wissenschaftliche Themen auszuüben;
  • wird durch ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaft und anderen Bereichen (etwa Sport, Populärkultur, Unterhaltung, neue Medien) konzipiert und realisiert.


Nicht gefördert werden Projekte, die:

  • Marketingaktionen oder institutionelle Kommunikationsarbeit zum Gegenstand haben;
  • Forschung über Wissenschaftskommunikation bezwecken.


Bei der Begutachtung kommen folgende Kriterien zur Anwendung:

  • Kompetenz des Projektteams;
  • Originalität des Formats und des Vorgehens;
  • Eignung des Formats und des Vorgehens im Hinblick auf das Zielpublikum;
  • Machbarkeit des Vorhabens;
  • erwartete Auswirkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht.


Dokumentation:

  • Jedes bewilligte Projekt erstellt nach Abschluss der Arbeiten einen 2-5minütigen, youtube-geeigneten Film zum Projekt.
  • Die Filme werden unter anderem via Website der Gebert Rüf Stiftung veröffentlicht.

Projekteingabe

  • Projekte können gemäss den allgemeinen Vorgaben quartalsweise (1. Februar, 1. Mai, 1. September, 1. Dezember) bei der Gebert Rüf Stiftung eingegeben werden.
  • Das Eingabeverfahren ist zweistufig.

Projektevaluation

Das Handlungsfeld «Scientainment» ist als laufende Ausschreibung konzipiert. Bei den laufenden Ausschreibungen dauert der Selektionsprozess – von der Eingabe des Projektantrags (erste Stufe) zum Entscheid über das Projektgesuch (zweite Stufe) – circa sechs Monate. Der Stiftungsrat trifft den Förderentscheid an seinen vierteljährlich stattfindenden Plenarsitzungen auf der Grundlage der Förderkriterien und der strategischen Ziele des Handlungsfeldes.

Bewilligte Projekte Scientainment

Bildstrecke oben

Bilder aus der Zeitung «Scientainment», Februar 2015, Christoph Läser Photograph AG Basel