KI – Chance oder Risiko?

Wo KI in der Stiftungsarbeit echten Mehrwert schafft

22 janvier 2026

Künstliche Intelligenz wird oft entweder überschätzt oder grundsätzlich abgelehnt. Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz: KI wird dort eingesetzt, wo sie für alle Beteiligten echten Mehrwert schafft – und begrenzen ihren Einsatz klar dort, wo menschliche Abwägung entscheidend ist.

Ein zentraler Anwendungsfall in der Antragsbeurteilung sind sogenannte Knock-out-Kriterien: klare, unverhandelbare Anforderungen, die ein Antrag erfüllen muss. Sie stellen sicher, dass die inhaltliche Eignung eines Projekts im Vordergrund steht – nicht nur die sprachliche oder formale Anpassung an die Stiftung.

Denn bei der Nutzung von KI im Antragsprozess besteht die Gefahr, dass Projekteingaben so formuliert werden, dass sie scheinbar exakt auf Stiftungszweck und Förderprogramm zugeschnitten sind, obwohl das Projekt inhaltlich nicht passt. Knock-out-Kriterien ermöglichen hier eine einfache und objektive Erstselektion.

Formale Kriterien in einem unserer Förderprogramme sind zum Beispiel:

  • Das innovative Forschungsprojekt wurde an der Hochschule entwickelt und ist noch dort verankert
  • Nachweis über den erfolgreichen Abschluss eines Vorprogramms
  • Einhaltung Budgetlimite und Projektdauer

Wird eine dieser Fragen mit «Nein» beantwortet, besteht keine realistische Chance auf eine Förderung. Mit der KI-unterstützten Vorselektion bleiben Aufwand und Erwartungen für beide Seiten transparent und realistisch.

Vorteile für Antragstellende und Stiftung

Die Arbeit mit KI hat einen weiteren Nutzen: Sie zwingt uns, unsere Förderkriterien präzise und verständlich zu formulieren. Diese Klarheit kommt nicht nur den Antragstellenden zugute, sondern schafft auch intern eine einheitliche Grundlage für alle Mitarbeitenden, die Anträge prüfen. Missverständnisse und Interpretationsspielräume werden von vornherein minimiert.

KI übernimmt keine inhaltlichen Entscheidungen. Sie strukturiert den Prozess, unterstützt bei der Formulierung der Kriterien und ermöglicht einen Selbstcheck für Antragstellende. Projekte können bereits vor der Antragstellung auf ihre grundsätzliche Förderfähigkeit geprüft werden, was Zeit spart und realistische Erwartungen schafft. Gleichzeitig entlastet KI unsere internen Abläufe, da sie die Vorprüfung entlang der Knock-out-Fragen übernimmt und nur die in Frage kommenden Anträge vertieft geprüft werden.

Der Mehrwert ist klar: Antragstellende erhalten frühzeitig Orientierung und nachvollziehbare Rückmeldungen und vermeiden den Zeitaufwand für die Einreichung nicht eligibler Projekte. Somit kann die Stiftung ihre Ressourcen effizienter einsetzen und den Fokus auf die inhaltliche Bewertung wirklich passender Projekte legen.

Vorteile des Knock-out-Ansatzes

  • Entscheidungen beruhen auf inhaltlicher Passung, nicht auf «cleverer» Textgestaltung;
  • Begrenzt KI-bedingte Überoptimierung und bewahrt die Qualität des Auswahlprozesses;
  • Erleichtert die effiziente Vorselektion und spart Ressourcen bei der tiefergehenden Prüfung.

Praktische Umsetzung

  • Knock-out-Kriterien klar definieren und transparent kommunizieren – intern wie extern;
  • Prüfung automatisiert oder manuell umsetzen, z. B. über Checklisten oder digitale Vorprüfungen;
  • KI kann Antragstellende weiterhin bei der Textgestaltung unterstützen, nicht jedoch bei der Erfüllung der Knock-out-Kriterien selbst.

Wir befinden uns aktuell in der internen Testphase. Mit dem von uns spezifisch pro Handlungsfeld gestalteten Konstruktor auf PeakPrivacy prüfen wir Anträge entlang der Knock-out-Fragen und evaluieren die Rückmeldungen. Erst in einem nächsten Schritt werden wir diese Funktion auch für Antragstellende bereitstellen, sodass sie selbst prüfen können, ob ihr Projekt die grundlegenden Kriterien erfüllt.

Ziel ist es, Prozesse transparenter zu machen, die Zusammenarbeit fairer zu gestalten und Zeit für das Wesentliche zu gewinnen: wirkungsvolle Projekte.

Fazit

KI entfaltet ihren grössten Nutzen dort, wo sie Klarheit schafft, Erwartungen klärt und Prozesse effizienter macht. Mit klaren Knock-out-Fragen schaffen wir Orientierung und Fairness für Antragstellende und die Stiftungsarbeit gleichermassen.

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