OSTEUROPA 2

Academic Swiss Caucasus Net (ASCN): Förderung der Sozial- und Geisteswissenschaften, 2009–2018

Von 1999 bis 2011 unterhielt die Gebert Rüf Stiftung mit dem «Swiss Baltic Net» (SBN) eine breite akademische Nachwuchsförderung in den baltischen Staaten. Nach deren europäischen Integration verlagerte sie ihr Osteuropaengagement in den Südkaukasus. Hier stand die Förderung der transitionsrelevanten Sozial- und Geisteswissenschaften im Fokus.

Ziel: Förderung transitionsrelevanter Wissenschaften

Die osteuropäischen Länder ausserhalb der EU sind Bindeglieder zwischen Europa und Russland. Die südkaukasischen Länder Georgien und Armenien sind darüberhinaus Schnittstellen zur muslimischen Welt und zu Zentralasien. Ihr Status in der Demokratienentwicklung ist unterschiedlich, ihre gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung fragil. Sie werden als Transitionsländer bezeichnet. Die Geistes- und Sozialwissenschaften wiederum sind transitionsrelevante Wissenschaften, weil sie einen Beitrag zu «evidence based policy» leisten können. Hier setzte das ASCN ein.

Ergebnis: Generationenwechsel in den Sozial- und Geisteswissenschaften

Mit dem Programm ASCN förderte die GRS seit 2009 den sozial- und geisteswissenschaftlichen Nachwuchs in den südkaukasischen Transitionsländern Georgien und Armenien sowie die Osteuropakompetenz an Schweizer Hochschulen. Über das Jahrzehnt der Programmdauer ist es gelungen, eine neue Generation von Nachwuchsleuten aus den Sozial- und Geisteswissenschaften aufzubauen, die nicht mehr der postsowjetischen Tradition verpflichtet sind. Im Zentrum standen die Disziplinen Politologie, Soziologie, Geschichtswissenschaften und Anthropologie.

Viele der geförderten Wissenschaftler*innen stehen heute in Amt und Würden: in der öffentlichen Verwaltung, in Hochschulinstitutionen, in der Wirtschaft etc. Sie wirken als Multiplikatoren einer «Evidence Based Policy» und einer internationalen Kompetenz-Vernetzung.

Entwicklung: Georgien ist gut unterwegs

Georgien und Armenien stellen heute zwei unterschiedliche Welten dar: Das renommierte Institut «Freedom House» bezeichnet in seinem internationalen Screening beide Transitionsländer nach wie vor als «teilweise frei». Die Unterschiede fallen allerdings deutlich aus. Während im Bericht 2017 Georgien auf dem Demokratieindex mit 64 von 100 Punkten relativ gut dasteht, ist Armenien mit 45 Punkten deutlich schlechter gestellt. Zum Vergleich: Die Schweiz erhielt 96 Punkte.

Zudem hat Georgien 2014 mit der EU das Handelsabkommen «Deep and Comprehensive Free Trade Area (DCFTA)» abgeschlossen, und 2017 wurde die georgische Visumspflicht für den Schengenraum abgeschafft. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Georgien in der Weltbankstudie «Doing Business 2018» auf dem hervorragenden 9. Rang rangiert, Armenien hingegen weit abgeschlagen auf dem 47 Platz. Tbilisi ist allmählich auf die Liste der Städtereisen gerutscht ist. «There are several reasons why Georgia should be on your mind,» titelte im November 2017 das Magazin Vogue.

Während also in Georgien eine Aufbruchstimmung herrscht, zeigen sich in Armenien, das oft als «Armenhaus Europas» bezeichnet wird, kaum Anzeichen einer robusten Entwicklung. Zwar hat sich als Folge der Öffnung zur Welt eine innenpolitische Dynamik entwickelt.  Doch die samtene Revolution von 2017 unter Nikol Paschinjan hat im Volk sehr hohe Erwartungen geweckt, die nicht rasch erfüllt werden können. Die nationale Ernüchterung ist abzusehen.

Nachfolgeprogramm: Swiss South Caucasus Net (SSCN)

Seit 2017 führt die Gebert Rüf Stiftung ihre Osteuropaförderung in Gestalt des dritten Osteuropaprogramms Swiss South Caucasus Net (SSCN) fort. Georgien und vor allem Armenien stehen dabei im Förderfokus.

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