Close

Bildungsräume der Kinder und Jugendlichen: Gemeinde als tragendes Netz – BREF 2012

Redaktion

Für den Inhalt der Angaben zeichnet die Projektleitung verantwortlich.

Kooperation

Dieses Projekt ist einer der fünf Gewinner der Jahresausschreibung 2012 «BREF – Brückenschläge mit Erfolg» – ein Kooperationsprogramm von Gebert Rüf Stiftung und Rektorenkonferenz der Fachhochschulen der Schweiz – KFH. Projektpartner: Stadt Rapperswil-Jona und Stadt Schaffhausen als Pilotgemeinden; Netzwerk Kinderbetreuung (http://www.netzwerk-kinderbetreuung.ch)

Projektdaten

  • Projekt-Nr: GRS-050/12 
  • Förderbeitrag: CHF 262'000 
  • Bewilligung: 02.11.2012 
  • Dauer: 03.2013 - 12.2015 
  • Handlungsfeld:  BREF – Soziale Innovationen, 2011 - 2017

Projektleitung

Projektbeschreibung

Das Projekt reagiert auf die Problematik einer dynamisch fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft und den damit verbundenen Aus- und Abgrenzungsprozessen (Stichworte «neue Ungleichheit», «Ghettoisierung»). Insbesondere für die von diesen Prozessen betroffenen Kinder und Jugendlichen ist die Integration in ihren sozialräumlichen Kontexten deutlich erschwert. Damit einhergehende Folgen, wie steigende Armut oder die Bedrohung der Grundwerte (Sicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität) und des sozialen Friedens führen bereits aktuell, insbesondere aber langfristig, zu steigenden sozialen Kosten.

Dabei zeigt sich, dass der komplexen gesellschaftlichen Problematik oftmals von «fachlichem und/oder institutionellen Schubladendenken» geprägte Angebote zur Integration gegenüber stehen. Die einzelnen Akteurinnen und Akteure – seien es Schulen, Kindergärten, Kinderärztinnen und -ärzte oder Angebote der Jugendarbeit – denken und handeln meist isoliert für sich. Deshalb bleiben viele Lösungsansätze einseitig und lückenhaft.

Als soziale Innovation vernetzt das Projekt bisher getrennt voneinander agierende kommunale Akteurinnen und Akteure im Rahmen eines gemeinsamen Lern- und Entwicklungsprozesses. Über den Transfer der gewon-nenen Erkenntnisse wird ein Beratungs- und Analyseinstrument zur (Weiter-)Entwicklung kommunal angepass-ter sozialräumlicher Kooperationsgefüge im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie im Kinder- und Jugendschutz erarbeitet. Ziel ist es, gemeinsam Verantwortung für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu tragen.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Das Projekt hat massgeblich den Aufbau und die Etablierung eines schweizweit agierenden «Interdisziplinären Zentrums Bildung und Aufwachsen» am Institut für Soziale Arbeit (IFSA-FHS) ermöglicht. An der Schnittstelle von Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie Kinder- und Jugendschutz positioniert es sich als Kompetenzdrehscheibe mit dem Ziel, durch einen erfolgreichen Brückenschlag zwischen Forschung und gesellschaftlich relevanten Akteurinnen und Akteuren aus Praxis und Politik gemeinschaftlich Verantwortung für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu übernehmen. Voraussetzung dafür ist die übergreifende Bündelung und Vernetzung des bisher unverbundenen Wissens in einer neuen innovativen Art der Partnerschaft zwischen Forschung und Praxis, der kooperativen Wissensproduktion.

Stand/Resultate

Während der Projektlaufzeit trugen verschiedene Aktivitäten zum Aufbau eines «Interdisziplinären Zentrums Bildung und Aufwachsen» am Institut für Soziale Arbeit (IFSA-FHS) bei:
Die Initialisierungsphase konnte mit der Kick-Off-Veranstaltung „1. St.Galler Abend: «Bildungsräume im Dialog» am 19. September 2013 erfolgreich abgeschlossen werden. Geladen waren Akteurinnen und Akteure aus Städten, Gemeinden und Einrichtungen aus dem Bildungs-, Sozial-, Jugend- und Gesundheitsbereich. Inhaltlich eröffnete Frau Jaqueline Fehr mit einem Referat zum Thema «Gelingendes Aufwachsen in Zukunft gemeinsam gestalten!». Im November 2014 wurde der Zwischenberichts des Projekts inkl. einer Dokumentation der zentralen Ergebnisse der Auftaktveranstaltung veröffentlicht: siehe «Publikationen»).
Gemeinsam mit den Partnergemeinden konnten im Projekt wesentliche Erkenntnisse zum Einbezug der Perspektive der Kinder und Jugendlichen wie zur Vernetzung mit den Akteuren in den Feldern des Aufwachsens gewonnen werden. Neben neuen Forschungsergebnissen konnte u.a. in einer Stadt eine neuartige Kooperation zwischen Sozial-, Bildungs-, Sicherheits-, Stadtplanungs- und Baudepartement etabliert werden. Als Ergebnis wurden Leitlinien einer kindergerechten Stadtentwicklung verabschiedet.

Als Folge der unterschiedlichsten Projektaktivitäten entstanden in den beiden Projektjahren viele neue Kooperationen, u.a.:
- Waren wir am 19. Januar 2014 Gastgeber der Dialogveranstaltung zum Orientierungsrahmen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Gemeinsam mit der Trägerschaft des Orientierungsrahmens (dem Netzwerk Kinderbetreuung sowie der schweizerischen UNESCO-Kommission) diskutierten wir mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Hochschulen, Zivilgesellschaft und Betreuungspraxis das Thema «Kindsein im Sozialen Raum – Bedingungen des Aufwachsens aus der Perspektive des Orientierungsrahmens». Dazu ist im Oktober 2014 eine Fokuspublikation erschienen.
- Wurden diverse Städte und Gemeinden aus der deutschsprachigen Schweiz aufmerksam auf unseren Ansatz „Bildungsräume“; als Folge entstanden erste Beratungs-, Entwicklungs- und Evaluationsaufträge.
- Wurden wir im letzten Projektjahr vermehrt als Expertinnen und Experten für Vorträge und Referate angefragt, u.a. im Rahmen eines Vernetzungstreffens des Programms Bildungslandschaften der Jacobs Foundation und im Rahmen des Projekts Sozialraumorientierte Schulen des Kantons Luzern.

Dokumentiert wurden die Erkenntnisse des Projektes in der Publikation „Bildungsräume der Kinder und Jugendlichen in Gemeinden – ein Bilderheft“. Die Publikation stellt nicht nur den Ansatz „Bildungsräume“ dar, sondern soll auch für die Arbeit in und mit Gemeinden genutzt werden. Die Publikation kann bezogen werden unter: bildungsraeume@fhsg.notexisting@nodomain.comch.

Publikationen

Brüschweiler, Bettina/ Falkenreck, Mandy (2016): Bildungsorte und Bildungslandschaften. In: Kessl, Fabian/ Reutlinger, Christian (Hrsg.): Handbuch Sozialraum. Grundlagen für den Bildungs- und Sozialbereich. Wiesbaden (i.E.);
Reutlinger, Christian/Brüschweiler Bettina (2016): Sozialgeographien der Kinder - eine Spurensuche in mehrdeutigem, offenem Gelände. In: Braches-Chyrek, Rita/Röhner, Charlotte (Hrsg.): Kindheit und Raum. Verlag Barbara Budrich. i.E.;
Brandstetter, Johanna/ Falkenreck, Mandy/ Kurmann Meyer, Sara/ Reutlinger, Christian (2015): Bildungsräume der Kinder und Jugendlichen – ein Bilderheft. St.Gallen;
Brandstetter, Johanna/ Falkenreck, Mandy (2015): Bildungsraum Gemeinde. In: kommunalmagazin, Nr.4, S. 48-50;
Reutlinger, Christian (2014): Stadt. Lebensort für Kinder und Jugendliche. In: Schröer, Wolfgang/ Struck, Norbert/ Wolff, Mechthild (Hrsg.): Handbuch der Kinder- und Jugendhilfe. 2. Auflage. Weinheim/München: Juventa;
Reutlinger, Christian (2014): Jugendliche fordern Freiräume. Eine sozialgeographische Betrachtung. In:das Baugerüst 66 (1), S. 10–13;
Reutlinger, Christian (2014): Raum formt Kind, oder formt das Kind den Raum? Sozialräumliche Bedingungen des Aufwachsens in einer sozialgeografischen Lesart. In: Fiduz, 32, 16. Jahrgang, S. 18–20;
Reutlinger, Christian (2014): Freiräume sind unverzichtbar. In: Campus (30), S. 6.
Schöne, Mandy (2013): „Kommunale Verantwortungsgemeinschaften“ für Kinder. Zur Idee eines integrierten Bildungs-, Sozial-, Jugendhilfe und Gesundheitssystems. In: Grubenmann, Bettina/Schöne, Mandy (Hrsg.): Frühe Kindheit im Fokus. Entwicklungen und Herausforderungen (sozial-)pädagogischer Professionalisierung. Berlin, S. 211-227;
Kessl, Fabian/Reutlinger, Christian (2012) (Hrsg.): Urbane Spielräume. Bildung und Stadtentwicklung. Wiesbaden: VS-Verlag;
Reutlinger, Christian/Schöne, Mandy (2012): Bildungslandschaften gestalten – bilden Landschaften Bildung? Eine raumtheoretische Vergewisserung. In: Forum Wohnen und Stadtentwicklung. Verbandsorgan des vhw - Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V., Berlin, S. 119-124;
Reutlinger, Christian (2011): Bildungsorte, Bildungsräume und Bildungslandschaften im Spiegel von Ungleichheit – Kritischer Blick auf das „Räumeln“ im Bildungsdiskurs. In: Bollweg, Petra/ Otto, Hans-Uwe (Hrsg.): Räume flexibler Bildung. Bildungslandschaft in der Diskussion. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S. 51-70;
Reutlinger, Christian/Kessl, Fabian/Ziegler, Holger (2007) (Hrsg.): Erziehung zur Armut? Soziale Arbeit und die „neue Unterschicht“. Wiesbaden: VS-Verlag.

Medienecho

Bildungsräume sind wichtig, St. Galler Tagblatt, 21.9.2013;
Kindsein im Sozialen Raum: Rückblick auf die Dialogveranstaltung, 29.1.2014

Links

Am Projekt beteiligte Personen

Prof. Dr. Christian Reutlinger, Projektleiter, FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut ISFA-FHS
Mandy Falkenreck, Dipl.-Päd., FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut IFSA-FHS
Johanna Brandstetter, Mag., FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut IFSA-FHS
Sara Kurmann, Lic. Phil. I., FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut IFSA-FHS

Letzte Aktualisierung dieser Projektdarstellung  26.11.2020