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Gefühlte Realitäten – konstruierte Wirklichkeiten

Redaktion

Für den Inhalt der Angaben zeichnet die Projektleitung verantwortlich.

Kooperation

Dieses von der Gebert Rüf Stiftung geförderte Projekt wird von folgenden weiteren Projektpartnern mitgetragen: digital linguistics (ZHAW); Sensor Advice; semtracks

Projektdaten

  • Projekt-Nr: GRS-081/17 
  • Förderbeitrag: CHF 264'890 
  • Bewilligung: 24.04.2018 
  • Dauer: 09.2018 - 10.2019 
  • Handlungsfeld: Pilotprojekte, 1998 - 2018

Projektleitung

  • Prof. Dr. Noah Bubenhofer, LCC, Leiter Professorenstelle Digital Linguistics
  • ZHAW
  • Departement Angewandte Linguistik
  • Theaterstrasse 15c
  • 8401 Winterthur (Schweiz)
  • bubn@zhaw.notexisting@nodomain.comch

Abstract

Öffentlichkeit ist essentiell für die Demokratie. Es braucht sie, damit sich Diskurse entfalten und Meinungsbildung auf Vielfalt zurückgreifen kann. In der Kommunikationsgesellschaft sind es die Medien, die Meinungen verbreiten und Debatten initialisieren und transportieren. Sie machen Diskurse einem breiten Publikum zugänglich. Desinformation wie „fake news“ und „post-truth politics“ scheinen jedoch die Demokratie zu bedrohen. Grundsätzliche Fragen stehen im Raum: Wie sind Diskurse, Öffentlichkeit und die Meinungsbildung gegenwärtig gestaltet?
Unser Projekt „Gefühlte Realitäten – konstruierte Wirklichkeiten“ schliesst hier Erkenntnislücken. Wir fragen: Wie müssen wir Diskurse vermessen, um ihnen wirklich gerecht zu werden? Denn DIE Öffentlichkeit und DEN Diskurs gibt es nicht. Sondern eine Vielzahl von Diskursen, die nebeneinander existieren. Und die bisweilen von Emotionen, Ängsten und negativen Narrativen dominiert werden. Das lässt sich am Migrationsdiskurs erklären: Die Rede ist von Migrationswellen, von Flüchtlingsströmen und Tsunamis. Frames, die aus Migration eine Naturkatastrophe machen, vor der wir ohnmächtig sind, und die Ängste wecken. So werden Scheinriesen produziert: Fakten werden grösser, stärker und mächtiger gemacht, als sie tatsächlich sind.
Auf linguistischer Basis schaffen wir empirisch fundiert eine Diskurslandkarte. Am Beispiel des Schweizer Europadiskurses visualisieren wir Diskursräume, ihre Relationen zueinander und die Positionen der am Diskurs beteiligten Akteure darin. Wir analysieren Gespräche und Texte aus traditionellen und sozialen Medien: Wir verbinden quantitative Big-Data-Analysen mit qualitativen Thick-Data-Analysen. Wir visualisieren gesellschaftliche Diskurse neu und machen sie räumlich zugänglich.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Wir sind ein interdisziplinäres Team aus der Linguistik und den Sozialwissenschaften mit unternehmerischem Spirit. Demokratie, Öffentlichkeit und die Qualität von Diskursen liegen uns am Herzen. Unsere Vision ist es, exzellente Forschung mit kreativer Implementation zu verbinden. Dafür entwickeln wir adäquate Methoden, um Diskurse innovativ zu analysieren und sie auf eine neue Art transparent zu machen, um sie damit auch zu verändern.

Stand/Resultate

Meilensteine 1 und 2: Erstellung Datenbasis, Synthese der daten- und theoriegeleiteten Analysekategorien, computer- und korpuslinguistische Operationalisierung der Analysekategorien

Das Projekt folgt einem grundsätzlichen data-driven-Ansatz: In der Anfangsphase sind die Datenbasis und damit die drei unterschiedlichen Teilkorpora zum Schweizer Europadiskurs erstellt worden. Die konzeptionelle Grundlage für den Korpusaufbau wurden in Abgleich mit linguistischen wie auch diskursanalytischen Akteurstheorien und -definitionen geschaffen. Sozial- bzw. politikwissenschaftliche Institutionentheorien wurden für die Zusammenstellung des Institutionenkorpus herangezogen.

a) Korpus Versammlungsdiskurs: Transkribierte mündliche Schweizerdeutsche Daten wurden für die Analyse so standardisiert, dass eine maschinelle Analyse möglich ist, ohne gesprächstypische Merkmale zu verlieren. Das Datenformat erlaubt weiterhin einen Vergleich mit den Schweizerdeutschen Originaldaten.
b) Medienkorpus: Das Medienkorpus wurde erstellt. Einbezogen wurden alle online gelisteten Schweizer Medien, die durch ein ausgewogenes Sample aus Printmedien zum Thema erweitert worden sind.
c) Institutionenkorpus: Das Institutionenkorpus umfasst online zugängliche Parlamentsdaten. Ein Teilkorpus „Twitter“ wurde erstellt, wobei Twitter in seiner Funktion als Intermediär den Institutionen zugerechnet wird.

Diese drei Teilkorpora dienen als Basis für die Entwicklung der Analysekategorien. Auch diese Entwicklung folgt einem iterativen, datengeleiteten Paradigma, wobei erste Analyseresultate aus früheren Dialoganalysen zum Thema herangezogen worden sind und so qualitative wie auch quantitative Ansätze in der Kozeptionalisierungsphase herangezogen wurden. Neben der Erarbeitung der Datenkorpora standen in er ersten Projektphase korpusanalytische Operationalisierungsmöglichkeiten und -ansätze im Fokus, die in der zweiten Projektphase (März–August 2019) für die qualitativen Analysen operationalisiert und angewendet werden. Dabei stehen Operationalisierungen mit Hilfe von Topic Modeling und Word Embeddings im Fokus.

Gerade in der Anfangsphase mussten der interdisziplinären Diversität des Teams wie auch der wissenschaftlichen sowie praxisorientierten Ziele in der Zusammenarbeit berücksichtigt und integriert werden. Für die Finanzierung eines nächsten Entwicklungsschritts konnten wir erfreulicherweise bereits einen Investor gewinnen; Gespräche mit weiteren interessierten Förderern und Investoren sind im Gange.

Publikationen

Bubenhofer, Noah/Calleri, Selena/Dreesen, Philipp (im Druck): Politisierung in rechtspopulistischen Medien: Wortschatzanalyse und Word Embedding. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST) 95.

Medienecho

Noch keine

Links

Am Projekt beteiligte Personen

Team ZHAW (Digital Linguistics)
Dr. Noah Bubenhofer, Projektleitung
Klaus Rothenhäuser, M.A.
Selena Calleri, M.A.
Dr. Julia Krasselt

Team Sensor Research (Dialoganalysen)
Heike Scholten, M.A., Co-Projektleitung
Dr. Fabienne Tissot
Isabel Knobel, M.A.

Letzte Aktualisierung dieser Projektdarstellung  14.05.2019